Ist ein Mädchen ein Ding?

Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich das erste Kapitel der "Bestimmung des Bösen" geschrieben habe. Die Perspektivträgerin ist ein kleines Mädchen ohne Namen (die Leseprobe findet ihr hier). Laut Grammatik ist ein Mädchen ein "es", für uns gefühlt ein Ding.

Mein erstes Problem mit dieser Tatsache lag darin, dass es sich für mich schrecklich anfühlte ständig von "es" zu schreiben. Ich habe bei anderen Autorinnen (wie Kate Morton) bereits Szenen aus der Perspektive eines Mädchens gelesen und das hat mich immer wieder herausgerissen.

Dann habe ich ein wenig über die Thematik nachgedacht und fand es rein grundsätzlich falsch, ein Mädchen einem Ding gleichzusetzen. Bei einem Jungen ist es auch nicht "das Junge". Bei "das Kind", "das Baby" ist immerhin das Geschlecht nicht definiert und die deutsche Sprache bietet dort keine Alternative – da kann man nicht viel machen. Aber bei einem Mädchen?
Diese sprachliche Abwertung von Mädchen hat für mich persönlich die Grenze überschritten. Ich bin kein grundsätzlicher Fan des "Gendering" und bin auch der Ansicht, dass man es damit übertreiben kann – in diesem Fall sehe ich es nicht so. Wir sprechen hier nicht davon, dass eine Personengruppe nicht explizit genannt wird, sondern davon, ein Mädchen, im Gegensatz zu einem Jungen, gefühlt zu einem Gegenstand zu degradieren.

Aus diesem Grund entschied ich mich, es anders zu machen. Aus

In diesem Moment bekam das Mädchen wirklich Angst. "Mommy, bleib bei mir!", schrie es so laut ein achtjähriges Mädchen es konnte.

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In diesem Moment bekam das Mädchen wirklich Angst. "Mommy, bleib bei mir!", schrie sie so laut ein achtjähriges Mädchen es konnte.

Da wir diese Art der Formulierung nicht gewohnt sind, zwang es mich zu einigem Nachdenken, um den Text dennoch halbwegs flüssig zu gestalten und die Bezüge klar zu definieren. Es war ein Haufen Arbeit, aber für mich hat es sich persönlich gelohnt.

Als es dann ans Lektorat / Korrektorat / Redaktion ging, hatte ich ein wenig Angst vor der Reaktion des Verlages. Wie ich allerdings schnell feststellen durfte, standen meine Lektorin und der Diana Verlag hinter meiner Entscheidung. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön! heart

Solltet ihr also glauben, dass das Lektorat an diesen Passagen geschlampt hat, muss ich euch sagen: Nein, das war Absicht und ich bin stolz darauf! smiley

Liebe Grüße
Julia

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