Die Geschichte der Kriminalbiologie

Bevor ich mich mit dem Thema Kriminalbiologie eingehender beschäftigt habe, hielt ich diese wissenschaftliche Disziplin für eine recht neue Erfindung. Um so überraschter war ich, als ich feststellte, dass dem nicht so ist.

Bevor ich jedoch weiter auf das Thema eingehe, sollten wir zuerst klären, was Kriminalbiologie überhaupt ist. Erstaunlicherweise ist das im Deutschen nicht ganz einfach. Hier schmeißen wir im Grunde die verschiedensten Themenbereiche zusammen und erschaffen damit den Überbegriff der Kriminalbiologie. Wenn man an Kriminalbiologen denkt, hat man meistens ein Bild von Fliegenlarven, verwesenden Leichen und Käfern vor Augen. Das ist auch richtig – im Englischen ist dies aber eine eigene Disziplin, die Forensic Entomology.

Da wir umgangssprachlich aber alles der Kriminalbiologie zuordnen, was mit Biologie zutun hat, fallen darunter auch Dinge wie die Erstellung von genetischen Fingerabdrücken, also dem DNA-Profil eines Individuums. Im Englischen fällt das unter den Begriff der Forensic DNA Analysis.

Es gibt aber auch ungewöhnlichere Diziplinen, die den meisten Menschen nicht sehr geläufig sind, wie die Forensic Limnology. Die Limnologie ist die Wissenschaft von Binnengewässern, also Süßwasserseen, Flüssen, Bächen … Durch die Analyse von Wasserproben kann ein Wissenschaftler zum Beispiel in manchen Fällen feststellen, von wo eine Leiche stammt.

Die Kriminalbiologie ist also ein weitgefasstes und spannendes Feld. Im Gegensatz zu meiner Kriminalbiologin Karen Hellstern, die ein echtes Allround-Talent ist, sind viele der Wissenschaftler sehr spezialisiert und analysieren nicht nebenbei einen genetischen Fingerabdruck, während sie die an Leichen gefundenen Maden, Käfer und Fliegen untersuchen. In dieser Hinsicht habe ich mir eine gewisse künstlerische Freiheit genommen, um das ganze spannende Feld der Kriminalbiologie darstellen zu können.

Aber wo fand das Ganze seinen Ursprung? Erstaunlicherweise bereits Ende des 12., Anfang des 13. Jahrunderts in China bei dem Arzt und Richter Song Ci, der das erste Werk zur Gerichtsmedizin verfasste, die Aufzeichnungen zur Tilgung von Ungerechtigkeit. Das Bild zeigt eine Zeichnung daraus, die die Knochen des menschlichen Körpers benennt. Es besteht aus fünf Büchern mit 53 Kapiteln, in denen der Autor genaue Anweisungen zum Umgang mit Leichen gibt, die erforderlichen Untersuchungen und Schlussfolgerungen daraus.

Er selbst beschränkte sich jedoch nicht nur auf Beschreibungen, sondern stellte erste Versuche mit Tierkadavern an, beobachtete, wie sich Wunden im Laufe der Zeit veränderten und welche Insekten anzutreffen waren.

In diesem Buch wird auch der erste kriminalbiologische Fall beschrieben (genauer gesagt, der Forensic Entomology).
1235 wurde die Leiche eines Arbeiters in einem chinesischen Dorf entdeckt. Untersuchungen mit verschiedenen Waffen an Tierkadavern zeigten, dass er mit einer Sichel getötet worden war. Das deutete darauf hin, dass es ein anderer Arbeiter aus dem Dorf gewesen sein musste.
Daraufhin wurde angeordnet, dass alle Dorfbewohner ihre Sicheln mitbringen und vor der Versammlung präsentieren mussten. Kurz darauf sammelten sich Fliegen in der Luft und steuerten eine einzige der Sicheln an. Obwohl sie grob gereinigt worden war, befand sich noch genug Blut und Gewebereste daran, dass die Fliegen von ihr angezogen wurden.
Kurz darauf gestand der Mann seine Tat.

In Europa sollte es jedoch bis ins 17. Jahrhundert dauern, bevor es erste dokumentierte Arbeiten im Bereich der Kriminalbiologie gab.

 

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