Leitfaden für verirrte Schwarzwaldexperten ;)

Anlässlich dieser Rezension möchte ich gerne der Bitte einiger Leser nachkommen und zumindest teilweise aufschlüsseln, was bezüglich der historischen Aspekte in der “Alchemie der Unsterblichkeit” real und was fiktiv ist.

Vorausschicken möchte ich, dass ich keine Historikerin bin. Ich bemühe mich, größere Fehler zu vermeiden, aber insgesamt geht es mir mehr darum, ein lebhaftes Bild der Zeit zu zeichnen, als mich in Details zu verfangen. Bei einem Fantasy-Roman empfinde ich das durchaus als legitim.

Fangen wir mit Karlsruhe an:
Hier gibt es Stadtpläne von Karlsruhe in den verschiedenen Zeiten. Wie man erkennen kann, habe ich einige Straßennamen (deshalb auch die “Gassen” 😉 ) übernommen. Icherios’ Wohnort ist allerdings fiktiv und auch das Gebäude, in dem sich die Kanzlei befindet, ist fiktiv.

Hier gibt es eine Stadtchronik von Karlsruhe, die teilweise erstaunliche Dinge enthüllt. So kann man darin nachlesen, dass es in der Tat den von mir beschriebenen Palisadenzaun um die Stadt gab. Auf diesem Bild kann man den Zaun auch sehen. Ziemlich beeindruckend finde ich. 🙂

Zur Größe von Karlsruhe:  Zwischen 1750 und 1815 wuchs die Bevölkerung von 2500 Einwohner auf 15000.  Für 1771 habe ich eine Einwohnerzahl von 9500 notiert, kann dazu aber keine Quelle angeben. Wie auch immer, es ist auch für damalige Verhältnisse keine Großstadt (London hatte 1800 bereits eine Million Einwohner), aber es war definitiv keine kleine Ortschaft und durch die Anlage als Planstadt war sie vergleichsweise weitläufig. Das kann man auf den Bildern in der Stadtchronik z.B. auch sehr gut sehen.

Zu den Gassen: In Karlruhe gab es vermutlich keine winzigen Gässchen, wie man sie aus mittelalterlichen Städten kennt, aber es gab durchaus schmalere Straßen (Definition von Gasse), wie man auf einigen Bildern erkennen kann. Eines, bei dem man es erahnen kann und, das im Internet verfügbar ist, wäre dieses: Bild. Zudem wurde erst in den 50er Jahren des 18. Jahrhunderts beschlossen, dass nur noch Steinhäuser gebaut werden sollen. Die Holzhäuser sind meines Wissens nach nicht erhalten und auch der genaue Aufbau ist nicht gesichert. Des weiteren waren die meisten Straßen in dieser Zeit noch nicht gepflastert. Das wurde erst ab 1772 nachgeholt.
Mit meiner Beschreibung der Gasse im “Krähenturm” bewege ich mich also eher im Bereich der Fiktion, aber nicht ohne Grund. 😉

Zum Thema Bettler möchte ich das Buch Ernst Schubert, Arme Leute, Bettler und Gauner im Franken des 18. Jahrhunderts Neustadt/Aisch 1983 empfehlen.
Das sollte alle Zweifel über deren Existenz ausräumen.

Die Hungersnot von 1771/1774 gab es tatsächlich. Das war mein Hauptgrund genau dieses Jahr zu wählen. Die meisten meiner Informationen dazu habe ich aus diesem Buch gezogen: Wilhelm Abel, Massenarmut und Hungerkrisen im vorindustriellen Europa, 1974.
Auch die Beispiele für die Ernährung (Sägemehl, Grassuppe, Katzen, Ratten…), Lebensweise, Todesarten, Bettler … habe ich aus diesem Buch übernommen. Ebenso basieren die politischen Ansichten meiner Kutschenreisenden und der Bevölkerung in den Ortschaften auf diesem Buch.
Die Hungersnot hatte in Deutschland ihren Schwerpunkt in Sachsen, aber auch andere Gebiete waren betroffen.
In meinen Notizen habe ich diese Angaben gefunden (kann aber dazu keine Quellenangaben geben): in Mannheim stieg 1771 die Sterblichkeit um 25% und in Augsburg um 40%. Im genannten Buch finden sich weitere Zahlen für zahlreiche Städte, einschließlich der Geburtenraten.
In Baiersbronn müsste zudem eine Gedenktafel stehen, auf der auch das Rezept einer Grassuppe verzeichnet ist.

Konkret zu Karlsruhe habe ich wenige Informationen gefunden, nur einige Vermerke in verschiedenen Chroniken bezüglich der Armenspeisung zeigen, dass es auch in dieser Stadt Probleme gab. Wie sollte es auch anders sein, wenn das ganze Land hungert? Von daher ist meine Schilderung der Situation in Karlsruhe nur als ein Beispiel für die Situation in den Städten zu sehen.
Das Hungerlager vor der Stadt ist mit ziemlicher Sicherheit eine Übertreibung und von daher Fiktion. Es ist allerdings eine Tatsache, dass die Armen, Bettler… in vielen Städten ausgewiesen wurden und dann nachts versuchten, wieder herein zu schleichen. Da sie in der Nähe lagerten, ist so ein Szenario nicht völlig aus der Luft gegriffen – mit Fakten kann ich es aber nicht belegen.

Die beiden genannten Bücher kann ich jedenfalls sehr empfehlen. Sie geben einen sehr guten Einblick in die Lebensweise der Bevölkerung in der damaligen Zeit.

Auf seiner Reise in den Schwarzwald verbringt Icherios eine Nacht in der Ortschaft Galenbach. Diese ist fiktiv. Es freut mich aber, dass ich den Namen so gut gewählt habe, dass einige sie für real gehalten haben. 😉
Es war schwierig Informationen über den genauen Verlauf der Postkutschenverbindungen in den einzelnen Jahren zu finden. Ich habe reichlich Informationen über Preise, Beschlüsse über den Aufbau von Verbindungen … gefunden, aber nichts über genaue Strecken. Einzig die Ortschaft Glashütte, die heute Schönmünzach heißt, wurde als Zwischenstopp genannt. Informationen zu dieser Ortschaft, die ihren Namen den damals dort ansässigen Glashütten verdankte, findet ihr hier: Geschichte von Schönmünzach.
Ich kann die Seite sehr empfehlen. Man findet dort auch historische Ansichten der verschiedenen Ortsteile dort.
Einen “Fehler” habe ich an dieser Stelle der Handlung bewusst eingebaut. Das von mir beschriebene Gasthaus in Glashütte wurde in dieser Form erst 1825 errichtet. Eine Postkutschenstation war es allerdings vorher schon.

Von da an sind sämtliche Orte und Berge reine Fiktion. Zum einen liegt es daran, dass ich keine Ortschaft gefunden habe, die eine passende Anordnung von Burg/Ortschaft/See bot, zum anderen war dieser Teil des Schwarzwaldes zu dieser Zeit nur dünn besiedelt.  Ich fand es zudem reizvoll, die “Alchemie der Unsterblichkeit” in einem fiktiven Ort spielen zu lassen, da es mir mehr Möglichkeiten bot, einige schauerliche Legenden einfließen zu lassen.  Als Inspiration für die Burg diente mir die Burg Löwenstein, in deren Nähe ich wohne. Dort thront ebenfalls die Burg über der an einem steilen Hang gelegenen Ortschaft – nur der See ist ein Stückchen weiter weg. 🙂

Ich hoffe, dass ich mit diesen Ausführungen einige Fragen beantworten konnte. Wie gesagt: Ich bin keine Historikerin und ich biege mir die historischen Fakten zum Teil auch zurecht, aber ich versuche mich, soweit wie möglich an die Tatsachen zu halten.

Und nun wünsche ich euch einen guten Rutsch ins neue Jahr! Mögen eure Träume 2012 wahr werden!

 

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