Tipps zum Weltenbau

Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, noch eine lustige Kleinigkeit. Das bisher mit Abstand seltsamste Suchwort, das zu meiner Webseite führte, war: “Drogen machen mich unsterblich”. Ich wüsste zu gern, was in dem Kopf dieses Menschen vor sich geht. 😀

Wenn man in Schreibforen unterwegs ist, findet man immer wieder Fragen zum Thema Weltenbau in der Fantasy und auch über Mails haben mich schon einige Fragen zu meinem Vorgehen dabei erreicht.
Da ich momentan nebenher (zum Spaß) an einem High-Fantasy-Projekt arbeite, dem Metal-Epos,  dachte ich, dass es vielleicht nett wäre, euch einen Einblick zu geben, wie ich beim Weltenbau vorgehe.
Ich habe meine erste eigene Welt mit 11 Jahren erschaffen und seither für Geschichten und RPGs unzählige weitere entworfen, sodass ich mittlerweile etwas Routine habe.

Mein erster Tipp lautet: Verliert euch nicht in Kleinigkeiten!
Für mich ist das mit das Entscheidenste. Was bringt es mir, wenn ich genau weiß, was sie in Dorf Hupdidup essen, wie viele Menschen dort leben und wie der Hund vom Bürgermeister heißt, wenn niemals eine eurer Figuren dorthin gehen will?
Verschwendet also nicht eure Zeit mit Details, die ihr niemals brauchen werdet, sondern konzentriert euch auf die großen Zusammenhänge und arbeitet nur die Details von Ortschaften / Gegenden aus, die eure Charaktere benötigen.

Nachdem ich eine grobe Vorstellung der Welt habe, beginne ich damit, eine Karte zu zeichnen, da es mir sehr dabei hilft, die möglichen Zusammenhänge zu begreifen. Dazu solltet ihr als erstes entscheiden, was die Karte alles umfassen soll. Braucht ihr die ganze Welt? Genügt ein Kontinent, ein Land oder gar nur eine Stadt? Unter Berücksichtigung von Tipp 1 zeichne ich lieber eine zu kleine Karte, als dass ich Zeit auf Kontinente verschwende, von deren Existenz meine Figuren nichtmals etwas wissen. “Anbauen” kann man immer noch.

Mein zweiter Tipp lautet: Digitalisiert eure Karten!
Selbst wenn ihr mit der Hand zeichnet, solltet ihr die Karten regelmäßig einscannen, damit ihr sie zum einen nicht verlieren könnt oder ausversehen Kaffee darüber schüttet. Normalerweise scanne ich am Anfang an folgenden Stellen ein: Nach Zeichnen der Kontur – nach den Gebirgen – den Gewässern und Flüssern – den Wäldern – den anderen Gebieten – den Grenzen – den Ortschaften. Und danach immer, wenn ich mehrere Änderungen vorgenommen habe.
Zum anderen hat die Digitalisierung den Vorteil, dass ihr euch ein Exemplar ausdrucken könnt, um darin herumzukritzeln.
Zudem könnt ihr immer wieder “zurück”, wenn ihr die älteren Fassungen aufbewahrt. Falls ihr feststellt, dass ihr den Wald an Stelle X nicht gebrauchen könnt, ist es dann selbst mit handgezeichneten Karten kein Problem mehr, sondern ihr nehmt einfach eine Fassung, in der der Wald nicht exisitierte und baut darauf wieder auf.
Mittlerweile erstelle ich meine Karten allerdings nur noch digital, da ich auch nicht so das gewaltige Talent im Zeichnen bin. 😉

Mein dritter Tipp lautet: Paust ab!
Beim Zeichnen der Karte habe ich das Problem, dass ich kein Gefühl für die natürlichen Konturen von Landmassen und Gewässer habe. Deshalb bin ich dazu übergegangen, mir einen Atals zu schnappen und dort die Karten zu durchstöbern, bis ich ein Gebiet finde, dass mir zum Beispiel von seinem Küstenverlauf her gefällt und pause diese dann grob ab.
So habe ich z.B. eine Welt, die auf Washington (Bundesstaat) basiert. 😉 Das fällt niemandem auf, solange man ein wenig variiert und vor allem den Rest selbst gestaltet.

Nachdem ich also festgelegt habe, welchen Teil der Welt ich brauche, wie der grobe Aufbau sein muss und ich die Konturen habe, zeichne ich die ersten “Landschaftsmerkmale” ein – also Wälder, Gebirge, Seen, Flüsse, Sümpfe … Dabei beschränke ich mich zu dem Zeitpunkt nur auf die größten “Exemplare” und behalte mir auch vor, einiges später zu ändern. Das ist ohnehin sehr wichtig – nur weil ihr etwas irgendwann für eine gute Idee gehalten habt, bedeutet das nicht, dass ihr es nicht noch ändern könnt, falls es irgendwann nicht mehr passt.

Dabei sollte man allerdings beachten, dass Grenzen gerne entlang von Flüssen oder Gebirgen erfolgen. Zumindest in Welten mit eingeschränkter Mobilität – falls bei euch Fliegen standard ist oder man teleportiert, solltet ihr euch überlegen, wie Grenzen da gezogen werden und ob es überhaupt welche gibt. Wenn man also schon eine ungefähre Idee von der politischen Struktur hat, kann man die Karte bereits dementsprechend erstellen.
Beim Thema Gebirge, Flüsse, Klimazonen … sollte man natürlich auch die Logik nicht vergessen. Es ist seltsam, wenn eure Eisebene direkt an eine heiße Wüste grenzt. Wenn ihr das gerne hättet, solltet ihr also eine gute Erklärung dafür haben.

Mein vierter Tipp lautet: Seid logisch und informiert euch!
Das ist für mich ein weiterer entscheidender Punkt. Wie oben schon erwähnt, solltet ihr alles, was nicht normal ist, auch erklären können. Dazu müsst ihr aber auch einige grundlegende Kenntnisse über das entsprechende Thema haben oder jemanden fragen, der sich auskennt. Falls ihr also ein extrem kaltes und ein heißes Gebiet direkt nebeneinander haben wollt, müsst ihr euch überlegen, wie das sein kann und auch welche Konsequenzen es für die Welt / Bevölkerung hat.
Eure Flüsse sollten auch nicht einfach bergauf fließen und ein willkürlicher Zickzackverlauf der Klimazonen, sollte auch erläutert werden.
Und auch, wenn ich selbst Welten mit mehreren Monden oder das Leben auf einem Mond sehr reizvoll finde, solltet ihr euch auch bei solchen Dingen informieren, was es für Konsequenzen für die Welt hat (z.B. in Bezug auf Ebbe und Flut). Also hinterfragt alles und nehmt nichts als gegeben hin.

Am Ende habe ich dann so eine Karte (klickt darauf, um sie zu vergrößern):


Das ist die Karte von Ceranda, eine Welt, die ich für eine AD&D-Kampagne erdacht habe. Ihr könnt sie gerne für nicht-kommerzielle Zwecke verwenden.
Die Klimazonen verlaufen auf den ersten Blick etwas seltsam, passen aber zu der Hintergrundgeschichte der Welt.
Ich habe mich hier auchdes sehr beliebten Tricks bedient, den für die Geschichte interessanten Teil der Welt durch ein Gebirge (oder Wüste, Lavastrom …) vom Rest abzutrennen. Dadurch muss man sich nicht mit Einmischung von “außen” rumärgern und die wenigsten Leser stören sich an solch billigen Tricks.

Wie ich weiter vorgehe, erzähle ich euch dann ein anderes Mal. 🙂
Demnächst wird wohl erst ein neuer Artikel aus der Reihe “Von der Idee zur Veröffentlichung” folgen.

 

Zum Abschluss möchte ich euch noch auf ein Video hinweisen, das ich bei Youtube hochgeladen habe:

Darin könnt ihr sehen, wie mein kleines Zeitfresserchen Souris den Rüden meiner Eltern so lange nervt, bis er mit ihr spielt. Also eher was für Hundeliebhaber. 😉

 

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