Von der Idee zur Veröffentlichung (6) Das Plotten – Nachtrag

Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, möchte ich euch darauf hinweisen, dass ihr nun auf der rechten Seite verfolgen könnt, an was ich gerade arbeite und wie ich damit vorwärst komme. Zudem seht ihr nun auch, welches Buch ich gerade lese.

Eigentlich hatte ich bei der Reihe "Von der Idee zur Veröffentlichung" nun endlich zum Thema Schreiben kommen wollen, aber da sich meine Arbeitsweise ständig ändert, wollte ich euch meine neuesten Entdeckungen nicht vorenthalten. 🙂

Zum einen berücksichtige ich beim ersten Planen meiner Projekte nun auch die 3-Akt-Struktur. Ich halte mich zwar nicht sklavisch daran, aber es hilft mir dabei, den Überblick zu behalten. Wenn ich unterschiedliche Handlungsstänge, Subplots … habe, werden sie separat analysiert.

Fragen und Hinweise zum ersten Akt

  • Welches Problem entdecken die Protagonisten, das sie lösen müssen?
  • Lass die Protagonisten losziehen, um das Problem anzugehen.
  • Dinge, die im ersten Akt geklärt werden müssen: Wer sind die Charaktere? Welche Konflikte versuchen sie zu lösen?
  • Größe des ersten Akts: Maximal 1/3, eher 1/4 oder weniger.

Ende vom ersten Akt (mindestens eine der Optionen):

  • Wenn die Protagonsiten versuchen das Problem zu lösen, müssen sie kläglich versagen und feststellen, dass es deutlich größer ist, als sie erwartet haben.
  • Sie triumphieren kurzzeitig, nur um zu realisieren, dass sie zwar eine Schlacht gewonnen haben, sich aber in einem Krieg befinden.
  • Der Hauptcharakter betritt eine neue Welt (kann auch im übertragenen Sinn sein)
  • Eine große Komplikation tritt ein.

 

Fragen und Hinweise zum zweiten Akt

  • Protagonisten müssen feststellen, dass das Problem eigentlich zu groß für sie ist.
  • Die Charaktere versuchen das Problem zu lösen und versagen mehrfach.
  • Überraschende Wendungen (nicht die erste Idee nehmen, sondern erst die vierte oder fünfte).
  • Wann immer die Charaktere zu viel reden oder die Dinge zu langsam voran gehen, lass ein Unglück geschehen oder den Antagonsiten etwas unternehmen.
  • Zwinge dem Charakter niemals den Plot auf, sondern lass den Charakter den Plot bestimmen. Notfalls lass etwas geschehen, dass den Charakter zwingt, sich gemäß Plot zu verhalten.
  • Viele kleine Spannungshöhepunkte, die sich steigern.
  • Lass die Protagonisten denken, dass sie schlauer sind, als ihre Gegner und dann versagen sie (immer wieder).
  • Am Ende des zweiten Akts erreichen die Charaktere ihren Tiefpunkt.

 

Fragen und Hinweise zum dritten Akt

  • Am Ende des zweiten Akts oder Anfang des dritten müssen die Charaktere etwas lernen, dass ihnen am Ende hilft, zu siegen.
  • Alle Handlungsfäden müssen zusammengeführt werden.
  • Alles was angedeutet wurde, muss auch erfüllt werden – allerdings nicht immer so, wie der Leser es erwartet ( Im Herr der Ringe war klar, dass der Ring zertört wird, aber alle dachten, dass es Frodo sein würde).

 

Ich trage das alles in einen Fragebogen zu dem jeweiligen Projekt ein und hänge diesen über meinen Schreibtisch. Ihr könnt ihn gerne herunterladen, allerdings ist er zum Teil in Englisch. "Strang" ersetzte ich dann immer mit meiner Bezeichnung für den jeweiligen Handlungsstrang oder Subplot.
Das ganze ist übrigens nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen, sondern aus einem Writing Excuses Podcast. Die Podcasts würde ich ohnehin jedem Schreiberling, der ausreichend Englisch versteht, ans Herz legen.

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch – ich rate niemandem dazu, sich sklavisch an diese Struktur zu halten, aber ich finde es beim ersten Planen sehr hilfreich, mich daran entlang zu hangeln und dann erst im späteren Verlauf der Geschichte sie ihrer eigenen Dynamik zu überlassen.

 

Und zum Abschluss noch der Hinweis auf das Buch Book in a Month. Dies ist zwar auch auf englisch und ich halte mich auch nicht an den Plan, ein Buch in 30 Tagen zu schreiben, aber die darin enthaltenen Tabellen und Pläne fülle ich mittlerweile für jedes meiner Projekte aus. Allerdings kaufe ich dafür nicht (wie wohl vom Verlag erhofft 😉 ) jedes Mal das Buch. Stattdessen habe ich alles eingescannt und drucke mir das Ganze dann jeweils aus und klebe es in ein Notizbuch.

Falls ihr nun den Eindruck habt, dass ich ein Planungsfreak bin: Da könntet ihr recht haben. 😉

Aber bei mir läuft es erst dann gut mit dem Schreiben, wenn ich genau weiß, was als nächstes passiert und vor allem auch, wie das Ende aussieht. Für spontane, bessere Ideen bin ich aber während dem Schreiben immer offen.

 

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