Wie man es nicht macht: Suicide Squad

Ich unterrichte an der VHS Kreatives Schreiben (eine Anmeldung für das kommende Semester ist übrigens noch möglich: Grundkurs und Aufbaukurs). Üblicherweise wähle ich dann bekannte Filme oder Bücher aus, um zu zeigen, wie man z.B. eine bestimmte Struktur gut umsetzen kann. Beim Anschauen von dem Film Suicide Squad (2016) hatte ich allerdings das dringende Bedürfnis, es mal andersherum anzugehen. Zeigen, wie man es eben nicht machen sollte.

Der Film war für mich leider eine der Enttäuschungen des Filmjahres 2016. Ich hatte mich sehr, sehr darauf gefreut (also wirklich sehr! :P), aber er hat meine Erwartungen nicht annäherend erfüllt. Ich würde ihm nur 5 / 10 Punkten geben.

Der folgende Text enthält massive Spoiler. Also bitte nur weiterlesen, wenn ihr den Film schon kennt, oder es euch nichts ausmacht.
Und wie immer ist es nur meine Meinung, Ausnahmen bestätigen die Regel und *fügt bitte einen Disclaimer eurer Wahl ein*.

1. Fehler: Völlig von der Handlung losgelöster Subplot.
Ich liebe Subplot. Sie geben einem die Möglichkeit, den Charakteren mehr Facetten zu geben; sie können Spannung liefern, wenn die Haupthandlung eine Pause braucht; in der Fantasy können sie die fremde Welt echter wirken lassen; sie können einer tragischen und düsteren Geschichte etwas Leichtigkeit verleihen …

In all diesen Fällen erfüllt der Subplot aber eine Funktion – bei Suicide Squad leider nicht. Am Anfang fand ich die Romanze (und die Unterschiede zu den Comics) durchaus gelungen. Die Einblicke in Harleys Vergangenheit gaben ihr mehr Tiefe und ein wenig Herzschmerz ist ja nie schlecht.
Leider verflog dieser positive Effekt, als Joker nur ein paar, für die Handlung völlig unbedeutende Auftritte hatte. Er rettet seine Liebste, sie stürzen ab, Harley verdrückt ein paar Tränchen und weiter geht es. Hätte man diesen Subplot aus dem Film eliminiert, hätte sich gar nichts geändert. Es hatte keinen Einfluss auf Harleys Entscheidungen, ihre Charakterentwicklung oder in irgendeiner Weise auf die Haupthandlung. Es gab der Figur auch keine zusätzliche Tiefe. So völlig losgelöst von der Haupthandlung, ohne eine eigene nennenswerte Spannungskurve, hinterlässt ein Subplot in der Regel nur ein ganze Reihe von Fragezeichen beim Zuschauer / Leser.

2. Nutzt eure tollen Figuren auch!
Was hatte ich mich auf Jared Leto als Joker gefreut! Ich mage den Joker eh und wenn ich einem Schauspieler zugetraut habe, in Heath Ledgers gewaltige Fußstapfen zu treten, dann war es Jared Leto. In den Trailern wurde diese Figur auch entsprechend in das Zentrum gerückt. Was bekam man allerdings? Ein paar kurze, für die Handlung unbedeutende Auftritte dieses schillernden Charakters.
Was sollte denn das?
Wenn man sich die Mühe macht, eine derart vielschichte, interessante und komplexe Figur zu entwerfen, dann sollte ihr auch eine entsprechende Rolle zukommen. Natürlich sollten auch Nebenfiguren gut ausgearbeitet sein. Wenn allerdings eine Randfigur cooler als die Hauptfiguren ist, dann hat man etwas falsch gemacht. Entweder sollte die Randfigur dann in ihrem Rang aufsteigen, oder man sollte sich ganz dringend mit seinen Hauptfiguren beschäftigen.
Bei Suicide Squad war es einfach nur verschenktes Potential.

3. Wenn ihr eine Fortsetzung plant, nehmt nicht alle Hauptfiguren aus dem Spiel.
Nennt mir einen Grund, warum sich jemand Suicide Squad 2 anschauen soll, bzw. warum man sich schon jetzt darauf freuen sollte.
In dem Film wurden im Grunde nur drei Figuren /-paare richtig aufgebaut. Harley Quinn (mit Joker), Deadshot und El Diablo.
El Diablo ist tot. Sehr schade, da ich die Figur mochte.
Harley Quinn ist mit Joker auf und davon. Klar, kann man sie zurückholen (wodurch Jokers Auftritte in dem Film noch nutzloser wirken würden), aber wenn man an eine mögliche Fortsetzung denkt, hat man sie nicht mehr zwangsweise auf dem Schirm.
Bleibt noch Deadshot, die für mich langweiligste Figur.
Das Ende von Suicide Squad macht so viel Laune auf eine Fortsetzung, wie die Aussicht auf einen Avengers Film ohne Thor, Iron Man, Hulk, Captain America und Spiderman.

Also kurz zusammengefasst: Achtet darauf, dass eure Subplots eure Haupthandlung und / oder eure Charaktere weiterbringen; wenn ihr eine tolle, vielschichtige Figur habt, gebt ihr auch entsprechenden Raum sich zu zeigen und behaltet beim Ende immer im Auge, ob ihr noch eine Fortsetzung schreiben möchtet, oder nicht.

 

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